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Sonnwendwanderung am Wörthersee – mein Wanderbericht

Sonnwendwanderung am Wörthersee – mein Wanderbericht

Samstag, 22. Juni 2019 Punkt 22:00 Uhr. Ich stehe mit meiner Freundin euphorisch an der Startlinie in Pörtschach am wunderschönen türkisblauen Wörthersee. Mein Rucksack ist gepackt, meine Wanderschuhe geschnürt, meine körperliche Verfassung gut. Ich bin bereit! Neben mir befinden sich weitere 300 gutgelaunte Menschen, die alle dasselbe Ziel verfolgen – 25,5km auf 850 Höhenmeter von Pörtschach direkt auf den Pyramidenkogel zu marschieren. Den Wörthersee immer an unserer Seite. Zwischen uns tummeln sich noch weitere 300 Wanderbegeisterte, die uns bis ins Ziel begleiten, jedoch den Weg fortsetzen, um nach 60km wieder in Pörtschach anzukommen. Uns genügt der Sonnenaufgang am Pyramidenkogel mit anschließendem Schiffstaxi auf dem Wörthersee zurück an den Start. Es kann los gehen!

Etappe 1: der Forstsee oder spring über das Feuer

Begleitet von einer beeindruckenden Feuershow stapfen wild entschlossene 600 Paar Füße los in Richtung Forstsee. Die Stimmung ist sagenhaft, die Motivation groß. Nach kurzem Fußmarsch neben dem Wörthersee geht es prompt in den Wald und mittels Holzstufen hoch hinauf. Nach den ersten Kilometern beginnen sich bereits Grüppchen zu bilden und die unterschiedliche konditionelle Verfassung der Teilnehmer lässt das riesige Füßchenwirrwarr auseinandertreiben. Wir reihen uns in das letzte Drittel ein, um niemanden zu behindern und die Wanderung genießen zu können. Einzige Lichtquelle ist die Stirnlampe, die uns eine halbwegs freie Sicht auf den Waldboden bietet. Alles rund herum ist stockdunkel. Irgendwie gruselig – Angst haben wir jedoch keine. Nach 8km Marschschritt durch den von Regen aufgeweichten Waldboden erreichen wir unsere erste Etappe den Forstsee. Mit „spring, spring, spring“ werden wir johlend von der Feuerwehr begrüßt und aufgefordert über das lodernde Feuer zu hüpfen. Mit lautem Geschrei wird mein wenig eleganter Sprung über die heiße Glut begleitet. Ich fühle mich nach wie vor super. Auch meine Freundin ist noch fit und so geht’s für uns weiter zur nächsten Etappe.

Sprung über das Feuer

Der Verlust der ersten Euphorie!

Wir fassen km 13 – Velden am Wörthersee ins Visier. Dort soll nämlich eine Überraschung auf uns warten die wir uns auf keinen Fall entgehen lassen dürfen. Während der kommenden 5km unterhalten wir uns angeregt mit Anna. Sie ist Bergführerin und für das Wohl der Wanderer auf der Strecke verantwortlich. Sie fängt die Schlusslichter auf, kümmert sich um die Versorgung von Verletzten und motiviert die Langsamen.  Sie macht uns auf die Schönheit der Nacht aufmerksam – die Pflanzen, die im Mondlicht leuchten, der mystische Nebel am Himmel, die Beeren am Wegesrand, der Wörthersee in Dunkelheit getaucht. Mittlerweile kehrt schon Ernüchterung bei den Ersten ein. Der Boden ist rutschig, wir bleiben ab und an im Schlamm stecken und die Wurzeln machen ein zügiges Tempo unmöglich. Jeder Schritt muss ausgelotet werden, das Gehirn arbeitet auf Hochtouren und die Uhrzeit steckt vielen auch schon in den Gliedern. Bei meiner Begleitung stellen sich ebenfalls erste Schmerzen und ein Ziehen in den Beinen ein. Erleichtert atmen wir durch als wir das Schlosshotel in Velden erreichen! Die Hälfte ist geschafft!

Ein Zaubertrank für Asterix!

Doch für einige ist hier bereits Endstation. Gründe gibt es viele: falsche Einschätzungen der körperlichen Fitness, zu hohes Tempo, Unterschätzung des Schwierigkeitsgrades, Verletzungen, Erschöpfung oder „es ist einfach genug“. Auch für meine Freundin ist hier Schluss. Nach einer kurz zurückliegenden OP möchte sie ihren Körper nicht übermäßig belasten und beschließt vernünftigerweise mit dem Abholservice zurückzufahren. Nach einer kurzen Umarmung und motivierenden Worten schließe ich mich Anna an und wir machen uns auf zu unsere „Überraschung“. Mitten vor dem Schlosshotel Velden direkt am Wörthersee steht ein riesiger Kupferkessel, indem ein leckerer Beerenpunch mit Schuss blubbert. Juhuuu Alkohol – denke ich mir, lass mir gleich doppelt einschenken und genieße die laue Nacht. Prost – auf das Wandererlebnis! Es ist kurz vor 2 Uhr morgens als ich meine Stirnlampe wieder einschalte und mich erneut auf die Reise mache.

Retter in der Not 🙂

Am Wörthersee ist der Weg das Ziel!

Die nächsten 2 Kilometer gehe ich in einer kleinen Gruppe gemeinsam mit Bergsteigerin Anna. Wir plaudern über Gott und die Welt und genießen die Ruhe um uns herum. Körperlich geht es mir nach wie vor gut, Müdigkeit ist kaum vorhanden und meine Füße sind ebenfalls unauffällig. Bei km 15 lasse ich dann einen Teil der Meute (inklusive der mittlerweile liebgewonnen Anna) zurück und gehe mit einem deutschen Pärchen voran. Wir waten durch ein Flussbeet und stapfen schwer atmend durch den Wald bergauf. Keiner spricht, jeder ist mit sich selbst beschäftigt. In der Dunkelheit ist es schwierig den richtigen Weg zu finden und schlussendlich verlaufen wir uns sogar. Mitten in der Nacht ist es unvorstellbar schwierig sich im Wald zurechtzufinden. Deswegen aktiviere ich mein Google Maps, um wieder auf die richtige Spur zu kommen (moderner Technik sei Dank!). Meine beiden Wegbegleiter leiden schon unter Konzentrationsschwierigkeiten und kommen so hin und wieder ins Stolpern. Fazit: einer der beiden verletzt sich leicht und benötigt immer wieder kurze Verschnaufpausen, um seinen Fuß zu entlasten. Mittlerweile haben wir die 20km-Marke geknackt. Meine Oberschenkelmuskulatur beginnt schön langsam sich zu verhärten und die starren Wanderschuhe verursachen unschöne Druckpunkte. Dabei beginnt erst jetzt der 850m hohe Aufstieg zum Pyramidenkogel.

Wenn man das Ziel vor Augen hat…

In der Zwischenzeit hat es zu dämmern begonnen – es ist 03:32. Dies weiß ich so genau, da ich noch schnell meiner Freundin eine SMS tippe das ich auf der Zielgeraden bin – obwohl „gerade“ ist definitiv untertrieben – immerhin geht es steil nach oben. Aber das ist mir in diesem Moment vollkommen wurscht. Ich verabschiede mich von meinen zwei Mitstreitern und lege einen Zahn zu. Müdigkeit, schmerzende Oberschenkel und brennende Fußsohlen werden systematisch ausgeblendet. Ich denke an gar nichts. Mein Atem hinterlässt kleine Dampfwölkchen im Wald, der Boden unter meinen Füßen knirscht. Am Himmel kann ich bereits das Licht des Pyramidenkogels erkennen. Gleich ist es geschafft. Die letzten 2 Kilometer kann ich das Ziel bereits erkennen. Gebannt starre ich immer wieder auf das Bauwerk. Gleich bin ich oben, denke ich und beschleunige mein Schritttempo. Die Einsamkeit stört mich nicht, im Gegenteil. Ich bin froh diesen kostbaren Moment für mich zu haben. Ich genieße die Dämmerung am Himmel, das Zwitschern der aufgeweckten Vögel, den Morgentau auf den Bäumen und den Schweiß der mir über den Körper läuft. Die letzten Meter lege ich auf der Straße im Laufschritt zurück. Meine beste Freundin wartet bereits auf mich als ich abgekämpft und überglücklich das Ziel erreiche. Wir fallen uns in die Arme. Geschafft! 04:45 und hinter mir geht bereits die Sonne über den wunderschönen Wörthersee auf.

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